Lübbings Hundstage: Osnabrück Krimi

  • Preis: EUR 11,00
  • Autor: Michael Hopp
  • Einband: Broschiert
  • Seitenzahl: 174
  • Verlag: Prolibris Verlag Rolf Wagner
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Special guest bei Katz und Maus: ein chaotisches Hundevieh

Das nicht eben als Wiege des Gewaltverbrechens berüchtigte Osnabrück erlebt eine Mordserie, die direkt komisch sein könnte, handelte es sich nicht gerade um Mord. Die verschiedenen Opfer findet man nämlich in abenteuerlichen Drapierungen, und stets erreicht den Journalisten Waldemar Lübbing Post vom Täter, garniert mit einem zunächst kryptischen Zitat und einem nicht minder kryptischen Datum. Der Täter will offenbar etwas mitteilen, und Katz und Maus spielen will er auch -- aber warum, und mit wem?
"Wir haben also die Wahl zwischen einem völlig durchgeknallten Irren, einem Beziehungstäter [...], der uns auf eine falsche Spur locken will, und abgedrehten Militanten aus der Ökoszene", fasst Hauptkommissar Warnecke die erste Verwirrung der Ermittler zusammen.
Dass der Zusammenhang anderswo zu suchen ist, erfährt der Leser zwar im Gegensatz zur Polizei im Eingangskapitel, aber das hilft ihm auch nicht weiter. Es bringt ihm aber das Vergnügen, die Polizei bei ausgiebigen Wanderungen auf dem Holzweg beobachten zu können.

Den Schlüssel zu den Ereignissen liefert schließlich Lübbing, der nicht nur die entscheidende Idee hat, sondern auch noch zwei Wochen lang auf einen unsäglichen exzentrischen Köter namens Paula aufpassen soll und dessen Flirtversuche mit der hübschen Kellnerin Maria jäh ein Ende nehmen, als er erfährt, warum Maria ihn so nett anblinzelt: Er erinnert sie an ihren verstorbenen Patenonkel... Selbsterkenntnis lauert eben an jeder Ecke.

Zwar ist Lübbing Journalist und nicht Polizist, aber weil er sich so gut auskennt in der Szene, wird er an den Ermittlungen beteiligt. Dass das nicht im Sinne des Mörders ist, scheint allerdings nur der Leser zu vermuten; den gestandenen Kriminalen ist dieser Gedanke eher fremd. Ob eine Konstellation wie die hier geschilderte überhaupt möglich ist (Gibt es bei der Polizei freie Mitarbeiter?), sei auch dahingestellt. Aber sei dem, wie es sein mag: "Lübbings Hundstage" ist, von einigen kleinen und einer großen Schwäche (dazu gleich mehr) mal abgesehen, ein solider Krimi mit exakt der richtigen Dosis Witz, insgesamt sauber konstruiert und geschickt aufgebaut. Hinzu kommen einige witzige Intermezzi; für viele davon ist der Schreckenshund Paula zuständig, dessen Fiesheiten einem so richtig ans Herz wachsen. Diese Intermezzi zeigen auch die Stärken des Autors: Plastische Schilderungen mit viel Witz, die nicht zu dick aufgetragen sind, und ein Geschick für einprägsame Formulierungen: Da erinnert ein Zeuge die Polizisten schon mal an einen übergewichtigen Flamingo, was dem Autor langatmige Beschreibungen und dem Leser das Lesen umständlicher Passagen erspart, und ein Glanzstück ist sicher die Schilderung von Paula, einer gründlich missratenen Mischung aus Basset und Spitz, im zweiten Kapitel.
Eine weitere Stärke des Autors sind die anschaulichen Figurencharakterisierungen, die er u.a. durch klug plazierte Perspektivenwechsel und prägnante Formulierungen erreicht.

Allerdings gibt es bei "Lübbings Hundstagen" nicht nur viel Licht, sondern auch ein wenig Schatten: Auch wenn Michael Hopp stilistisch versiert ist -- an seiner Wiedergabe indirekter Rede, d.h. an der Wahl des richtigen Konjunktivs, sollte er noch ein wenig feilen. Auch sind ihm manche Passagen ein wenig zu langatmig geraten, besonders betroffen ist das Telefongespräch zwischen Lübbing und seiner Freundin Helen kurz vor dem Höhepunkt des Romans -- dieses Kapitel wäre spannender, wenn man eben nicht jeden Satz des Gesprächs präsentiert bekäme, nachdem Helens weiteres Vorgehen absehbar ist. In einem Film sähe man hier einen harten Schnitt zwischen den Szenen, und genau das wäre auch im Roman geboten. Ein wenig klischeehaft ist Hopp gelegentlich auch die Schilderung von Lübbings Privatleben geraten: Sätze wie "Wie immer wählte er [im Lebensmittelladen] nach Lust und Laune aus, was ihm gerade in den Sinn kam" mit einer anschließenden Aufzählung von Nahrungsmitteln, die eines kultivierten Menschen würdig sind, wirken ein wenig allzu bemüht. Dennoch: für den kultivierten Einkaufsbummel wird man durch Lübbings Kneipen-Konflikte wegen des vermaldeiten Hundes entschädigt, und eben dieser Hund schließt auch mit einer bemerkenswerten Aktion den Höhepunkt des Krimis ab -- absehbar vielleicht, aber trotzdem originell, und vor allem stilistisch überzeugend.

Jetzt aber zum einzigen größeren Klopper dieses insgesamt erfreulichen Romans: Der Mörder produziert sich, wie gesagt, u.a. dadurch, dass er die Umstände seines nächsten Mordes durch kryptische Zitate aus Kino und Literatur ankündigt und so die Polizei zur Schnitzeljagd herausfordert. Die Idee ist klasse, aber bei der Ausführung hapert's an unerwarteter Stelle: Ich jedenfalls kann mir erstens nicht vorstellen, dass es bei keinem der Ermittler laut klingelt, wenn er den Namen "Pepito Sbazzeguti" hört, oder den Satz "Let's Have a Party", oder das doch recht bekannte Zitat "Man soll in keinen Sarg sich legen / Will man nur kurz der Ruhe pflegen". Aber sogar wenn dem so sein könnte: Dass nicht einmal der Computer-Experte der Truppe imstande ist, auch nur einen dieser Begriffe zu googeln -- also, das glaube, wer will (Wer's nicht glaubt, probiere es selber). Dieser Klopper ausgerechnet bei einem der Filetstücke des Krimis verleiht dem Begriff "dümmer als die Polizei erlaubt" ganz neue Bedeutungsnuancen. Schade eigentlich.

Wie nun "Lübbings Hundstage" bewerten? -- Ohne den fulminanten Griff ins Klosett bei der Auswahl der angeblich rätselhaften Zitate wäre die Sache klar: 4 Sterne trotz kleiner Mängel. Aber wenn ein Autor bei einem Kernstück seines Romans beim Recherchieren schludert, werd ich prinzipiell ungehalten, also 3 Sterne. Andererseits wiederum haben Paulas Eskapaden (ach so, ja: Paula ist ein Rüde) ihren ganz eigenen Charme und verlangen wieder einen 4. Stern.
Am besten, Sie lesen den Roman selber und bilden sich dann Ihr Urteil. Mir hat er jedenfalls gefallen.

Ich komm zum Glück aus Osnabrück

Mir wurde das Buch zu Weihnachten geschenkt, weil ich gerne Krimis (z.B. Henning Mankells Wallander-Romane) lese. Als "glückliche" Osnabrückerin war ich schon nach den ersten Seiten vollauf begeistert. Man hat das Gefühl, da man die Schauplätze vor Augen hat, diese Geschichte life mitzuerleben. Eine tolle Idee, einen Roman unter Einbeziehung der regionalen Plätze, Geschäfte und Institutionen von Osnabrück zu schreiben. Ich habe das Buch in einem Zuge durchgelesen und sofort die beiden vorhergehenden Osnabrück-Romane bestellt. Ich bin schon sehr gespannt, ob sie mir auch so gut gefallen werden.

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