Leserbewertungen:
Durchgeknallt oder raffiniert? -- Die Polizei rätselt...
Es scheint, als wolle ein durchgeknallter Rollenspiel-Fan die Schlacht vom Teutoburger Wald am vermutlichen Originalschauplatz nachspielen: Zunächst wird ein freundliches älteres deutsches Ehepaar regelrecht abgeschlachtet -- mit bemerkenswert gut gearbeiteten Nachbildungen römischer Waffen. Motive: Fehlanzeige. Ein vager Verdacht richtet sich auf einen älteren Italiener, mit dem der Ermordete, Dr. Habermann, auf dem Campingplatz mal einen Streit hatte -- wenn man derlei als Mordmotiv durchgehen lassen will. Immerhin: Herr Carboni ist der Polizei nicht ganz unbekannt, die ihm seine Unterwelt-Machenschaften aber nie hat nachweisen können. Dumm nur, dass dieser Herr Carboni bald darauf ebenfalls ermordet wird, und zwar mit Nachbildungen germanischer Waffen jener Zeit... Und dann wird noch ein ermordeter Stricher in einem abgelegenen Wasserloch gefunden -- hat der womöglich etwas mit den beiden anderen, weitaus spektakuläreren Morden zu tun?
Die Osnabrücker Mordkommission ist am Rotieren, geht auch abwegigsten Hinweisen nach, aber die Details, die ans Licht kommen, erhellen die Angelegenheit nicht gerade.
Da zieht Kommissar Warnecke sein As aus dem Ärmel: Den Journalisten Waldemar Lübbing (über seinen Vornamen ist der nicht allzu glücklich). Der hat ein persönliches Interesse an dem Fall: Dr. Habermann war einmal sein Lehrer und hat sich damals für den renitenten Schüler Lübbing sehr eingesetzt. Kurz vor seiner Ermordung hat er ihn zufällig wieder getroffen. Zwar ist der Polizeichef nicht entzückt, dass nun ausgerechnet ein Journalist sozusagen als freier Mitarbeiter in Polizeiangelegenheiten "rumschnüffeln" dürfen soll -- aber Warnecke ist ein gewieftes Schlitzohr und weiß, wie man mit empfindlichen Chefs umgehen muss.
Bald soll Lübbings Interesse an dem Fall noch zunehmen: Die Polizistin Ulla Hufnagel, die ebenfalls zum Ermittler-Team gehört, interessiert ihn nicht nur dienstlich... Dass irgendwas mit ihr nicht stimmt, macht sie nur noch interessanter...
"Lübbings Varusschlacht" ist ein solide aufgebauter Krimi, der abwechselnd aus verschiedenen Perspektiven erzählt wird: Mal die Ermittler, mal die Mörder, mal die Opfer... Damit kennt zwar der Leser im Gegensatz zur Polizei den Tathergang, aber die Spannung bleibt doch erhalten, wird sogar gesteigert: Man hat zwar ein paar Fäden in der Hand, kriegt sie absolut nicht zusammen.
Gut gelungen sind dem Autor auch die falschen Spuren -- hier findet er genau das richtige Maß. Und auch Kommissar Zufall muss nicht allzu oft herbeibemüht werden... Keine Frage: Michael Hopp versteht sein Handwerk.
Neben der originellen Handlung hat "Lübbings Varusschlacht" aber noch mehr zu bieten, was ihn über den Durchschnitt hebt: Da wäre zum einen natürlich das genau richtig dosierte Lokalkolorit; der Krimi ist stimmig, ohne je zum verkappten Reiseführer zu verkommen.
Aber Michael Hopps eigentliche Stärke sind seine Figuren: Die sind allesamt plastisch charakterisiert, mit liebenswürdigen und gelegentlich nervigen Macken (Und dass zu den Vorlieben des Protagonisten Robert Johnson, Loriot und Heinz Erhardt gehören, nimmt mich natürlich auch sehr subjektiv für den Krimi ein ;-)). Man lernt en passant die Biographien der Figuren kennen, wobei Hopp auch hier einen guten Trick einsetzt: Einige Biographien verweigert er dem Leser bis zum Schluss, und das verleiht der Schlusspointe Würze.
Eine weitere Stärke dieses Krimis sind die wieder haargenau richtig dosierten skurrilen Intermezzi -- so z.B. die Nöte, die ein Hardrock-Open-Air dem Besitzer eines Ausflugslokals beschert, oder -- noch schöner -- die gedopten Hühner eines Campingplatz-Betreibers und passionierten Hühnerzüchters, die auch in gebratenem Zustand noch bemerkenswerte Wirkungen nach sich ziehen. Schön, dass man inmitten all der Blutlachen auch mal richtig lachen darf.
Etwas weniger sattelfest ist Michael Hopp, wenn's um die Wahl des richtigen Konjunktivs in der indirekten Rede geht -- hier wäre eigentlich der Lektor gefragt... Und ein klein wenig überschätzt er auch die Leichtgläubigkeit des Lesers: Ich jedenfalls kann mir nicht vorstellen, dass anno 2005 ein halb Dutzend Polizisten den Ortsnamen "Vukovar" hören, ohne dass es auch nur bei einem von ihnen klingelt...
Aber das nur am Rande. "Lübbings Varusschlacht" ist nämlich ein schöner, gediegener Krimi mit viel Lokalkolorit, überzeugenden Protagonisten, einer guten Prise Situationskomik und einem überzeugenden Schluss.
Man wünscht sich die Romanfiguren Lübbing & Co. umgehend ins Fernsehen!
Noch während ich den Roman gelesen hatte, schlich sich bei mir die klitzekleine Hoffnung ein, dass man die Romanfiguren Lübbing und Warnecke doch irgendwann einmal - vielleicht an einem Sonntag Abend - bei der Lösung eines Kriminalfalles "begleiten" dürfe, wenn auch aus der sicheren Distanz heraus, die einem ein Fernsehbildschirm garantiert :-) Könnte mir wirklich vorstellen dass die Ideen des Buches - "Lübbings Varusschlacht"- ein mehr als nur "brauchbares" Drehbuch, z.B. für einen Tatort, abgeben würden - und an dieser Stelle sei gesagt dass ich gerne gute Tatorte anschaue!
Zur Handlung....
Lübbing - 50jähriger -freiberuflicher- Journalist trifft einen alten Bekannten wieder - Kommisar Warnecke. Die Wiedersehensfreude hält sich jedoch zuerst einmal in Grenzen - Warnecke hat die Ermittlungen in einem Mordfall aufgenommen. Der Mordfall berührt Lübbing mehr oder weniger persönlich - Lübbings alter Lehrer und dessen Ehefrau wurden grausam, unter Einsatz römischer Waffen, ermordet - Lübbing hat also selbst ein gesteigertes Interesse an der Aufklärung dieses Doppelmordes.... - und die Morde der zwei älteren Herrschaften stellen lediglich den Auftakt zu einer interessant konstruierten Mordserie dar...
Mit der Figur des Lübbing hat der Autor Michael Hopp eine echte Type in die Welt gesetzt und ihm mit Kommissar Warnecke einen nicht weniger interessanten Bekannten zur Seite gestellt....
Michael Hopp versteht es wirklich Atmosphäre zu schaffen - er hat es offensichtlich in den Fingern.
Hopp ist durchaus in der Lage eine spannende / rätselhafte Geschichte zu entwickeln, um diese mit einer gehörigen Portion Überraschungsmoment aufzulösen - und wirklich bemerkenswert an Hopps Schreibstil ist, dass sich die ganze Zeit das Gefühl einstellt, dass sich die Geschichte wirklich genau so zugetragen haben könnte!
Die vom Autor auserwählte Nähe zu Osnabrück habe ich übrigens in keiner Minute als Killer des Unterhaltungswertes wahrgenommen - auch wenn ich zuerst dachte dass ein Kriminalroman mit regionalem Bezug sich wohl eher an die Leserschaft richten könnte der Osnabrück vertraut ist, darf ich an dieser Stelle Entwarnung geben und feststellen, dass es der Autor wirklich gut mit ortsunkdigen Lesern meint.
Nun denn - Lübbings Varusschlacht von Michael Hopp - mein erstes "Experiment" mit einem Buch aus dem Prolibris Verlag (Spezialist für Kriminalromane mit regionalem Bezug) ist geglückt - nun wollen wir doch mal sehen, wie "kriminell" es in anderen Ecken der Bundesrepublik Deutschland zugeht......
fesselnd-witzig-tragisch-cool
Es hat super viel Spaß gemacht dieses Buch zu lesen. Ich wohne mitten in Osnabrück und kenne das Umland gut, da kommt es einem immer wieder so vor, als wäre man mitten drin.
(bin genauso traurig wie Lübbing über den Abriß seines Lieblings-Eis-Cafes ! :-( )
Ich war total gefesselt. Eine klasse Geschichte!
(auch wenn ich jetzt ständig irgendwelche potenziellen Mörder durch die Stadt laufen sehe. :-)
Dickes Lob
stadtblatt osnabrück/januar 2006
Es ist wieder Zeit, in Osnabrück und Umgebung auf Spurensuche zu gehen. Auf dem Gelände der Varusschlacht in Kalkriese sind nämlich zwei Menschen regelrecht hingerichtet worden. Die Toten sind der ehemalige Lehrer Dr. Habermann und seine Frau.
Die Polizei ist ratlos, und wieder bietet sich der Journalist und Hobbyermittler Lübbing als Helfer an. Schließlich kennt er sich in Bramsche und Umgebung bestens aus. Außerdem war Habermann sein Lehrer und die beiden immer noch befreundet. Umso größer ist Lübbings Ehrgeiz, den Fall zu lösen, doch ein weiterer Mord und die attraktive Polizistin Ulla Hufnagel machen ihm die Sache nicht leichter...
Alles in allem spannend und flüssiger erzählt als Lübbings erster Fall. Leichte Krimi-Kost mit regionalem Touch, genau das Richtige für einen trüben Wintersonntag.
Einfach Gut
Beim Lesen des Krimis vergisst man Raum und Zeit. Weiterlesen ist die einzige Möglichkeit, wenn man des Buch angelesen hat. Neben den fesselnden Charakteren besticht natürlich der lokale Bezug, der den Roman in der eigenen Phantasie mit Leben füllt. Einfach KLASSE.